Micron Document
<!DOCTYPE html>
<html class="client-nojs vector-feature-language-in-header-enabled vector-feature-language-in-main-page-header-disabled vector-feature-page-tools-pinned-disabled vector-feature-toc-pinned-clientpref-0 vector-toc-not-available vector-feature-main-menu-pinned-disabled vector-feature-limited-width-clientpref-1 vector-feature-limited-width-content-enabled vector-feature-custom-font-size-clientpref-1 vector-feature-appearance-pinned-clientpref-0 skin-theme-clientpref-day vector-sticky-header-enabled" lang="de" dir="ltr"><head>
<meta charset="UTF-8">
<title>Protestpartei</title>
<meta name="viewport" content="width=device-width, initial-scale=1.0">
<link rel="icon" type="image/png" href="./_res_/favicon.png">
<link rel="canonical" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Protestpartei"> <link href="./_mw_/ext.cite.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.wikimediamessages.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.icons.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.search.codex.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/skins.vector.styles.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<meta name="ResourceLoaderDynamicStyles" content="">
<link href="./_mw_/ext.gadget.citeRef.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.defaultPlainlinks.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonHide.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonLayout.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiCommonStyle.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiDarkmode.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.dewikiResponsive.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link href="./_mw_/ext.gadget.specialSearch.css" rel="stylesheet" type="text/css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/site.styles.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_mw_/noscript.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/footer.css">
<link rel="stylesheet" type="text/css" href="./_res_/vector-2022.css">
</head>
<body class="skin--responsive skin-vector skin-vector-search-vue mediawiki ltr sitedir-ltr mw-hide-empty-elt ns-0 ns-subject page-Protestpartei rootpage-Protestpartei skin-vector-2022 action-view">
<div class="mw-page-container">
<div class="mw-page-container-inner">
<div class="mw-content-container">
<main id="content" class="mw-body">
<header class="mw-body-header vector-page-titlebar">
<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Protestpartei</span></h1>
</header>
<a id="top"></a>
<div id="bodyContent" class="vector-body ve-init-mw-desktopArticleTarget-targetContainer" aria-labelledby="firstHeading" data-mw-ve-target-container="">
<div id="contentSub">
<div id="mw-content-subtitle"></div>
</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der Begriff <b>Protestpartei</b> bezeichnet eine Partei, die versucht, in Teilen einer Wählerschaft vorhandene Protesthaltungen gegen die herrschenden Verhältnisse zu kanalisieren.
Es gibt die These, dass Protestparteien sich (zu) stark auf ein Thema konzentrieren und andere Felder der Politik vernachlässigen.
Wähler einer Protestpartei („<a href="Protestw%C3%A4hler" title="Protestwähler">Protestwähler</a>“) treffen ihre Wahl häufig aus einem emotionalen Protest, aus Wut und/oder aus Unzufriedenheit mit der Politik anderer Parteien heraus. Als Kennzeichen von Protestparteien werden lautstarkes Auftreten, radikale Forderungen und eine spontane Entstehung aus einem gesellschaftlichen Konflikt genannt.
</p><p>Obwohl das Konzept der Protestpartei bereits im Ansatz eine <a href="Kognitive_Verzerrung" title="Kognitive Verzerrung">kognitive Verzerrung</a> zu Gunsten von etablierten Parteien und bestehenden Normen beinhaltet, findet es in einigen Sozialwissenschaften (z.&nbsp;B. Politikwissenschaft) Verwendung und wird genutzt, um Struktur, Wählerbasis und Verhalten von Parteien zu beschreiben.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Definition">Definition</h2></div>
<p>Zur Definition des Begriffs gibt es unterschiedliche Konzepte. Oft wird der Ausdruck auch diffus gebraucht und für Parteien verwendet, die bei Wahlen starken Zuspruch und dadurch einen Bedeutungsgewinn erfahren. Als grundlegende Eigenschaften von Protestparteien gelten:<sup id="cite_ref-holtmann_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-holtmann-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<ul><li>„spontane“ Entstehung: Protestparteien stellen keinen Endpunkt einer <a href="Soziale_Bewegung" title="Soziale Bewegung">sozialen Bewegung</a> dar; sie formieren sich, um aktuelle Stimmungen nutzen zu können. Meist existieren sie nur für kurze Zeit.</li>
<li>Monothematik: Im Parteiprogramm sind einige wenige Punkte überrepräsentiert; Aussagen zu anderen relevanten Feldern der Politik werden kaum behandelt oder fehlen ganz.</li>
<li>Opposition zum Mainstream: Protestparteien stellen geltende Normen, Regelungen oder Haltungen in der Politik in Frage und präsentieren sich als einzige Alternative zu den bestehenden Parteien. Dieses <a href="Freund-Feind-Schema" class="mw-redirect" title="Freund-Feind-Schema">Freund-Feind-Schema</a> unterstreichen sie durch provokantes Auftreten und radikale Forderungen.</li>
<li>Wählerbasis: Die Wähler von Protestparteien verfügen nur über eine geringe Bindung zu diesen; ihr Wahlverhalten wird als eine „Strafaktion“ oder eine „Protesttat“ gewertet.</li></ul>
<p>Unter diesen Gesichtspunkten lassen sich in Deutschland etwa die <a href="Piratenpartei" title="Piratenpartei">Piratenpartei</a>, die <a href="Partei_Rechtsstaatlicher_Offensive" title="Partei Rechtsstaatlicher Offensive">Partei Rechtsstaatlicher Offensive</a>, in Österreich die <a href="Liste_Dr._Martin" title="Liste Dr. Martin">Liste Dr. Martin</a> oder die <a href="Auto-Partei" title="Auto-Partei">Auto-Partei</a> in der Schweiz als Protestparteien beschreiben. Aber auch <a href="B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen" title="Bündnis 90/Die Grünen">Die Grünen</a> erfüllten in ihrer Anfangszeit die Kriterien für eine Protestpartei.<sup id="cite_ref-neuner-duttenhofer_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-neuner-duttenhofer-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kritik">Kritik</h2></div>
<p>Der Politikwissenschaftler <a href="Kai_Arzheimer" title="Kai Arzheimer">Kai Arzheimer</a> kritisiert die emotionale Konnotation des Protestbegriffes. Enttäuschung, Wut oder Frust seien keineswegs die alleinigen Motive bei der Wahl einer Protestpartei; genauso gut könne diese mit rationalem Kalkül erklärt werden, etwa wenn Stammwähler den Kurs ihrer Partei nicht länger unterstützen möchten und deswegen einer Partei ihre Stimme geben, die eher ihre Vorstellungen vertritt – auch wenn diese als nicht regierungsfähig erscheint. Der ursprünglichen Stammpartei würde dadurch signalisiert, dass sich die Wähler einen Kurswechsel wünschten. Zudem beziehe sich der Protest meist auf die Parteien, die als etabliert gelten.<sup id="cite_ref-arzheimer_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-arzheimer-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Politikwissenschaftler <a href="Florian_Hartleb" title="Florian Hartleb">Florian Hartleb</a> sieht den Begriff der Protestpartei als wenig geeignet an, wenn es darum geht, Parteien auf ihre Inhalte oder ihr Auftreten zu beschreiben: Es sei unklar, „was im Zentrum des Protestes steht bzw. ob der Protest fundamental oder nur punktuell auftritt. Der Terminus „Protestpartei“ kann wohl für eine pragmatische wiewohl einseitige Unterscheidung, nicht aber typologisierend verwendet werden.“ <a href="Everhard_Holtmann" title="Everhard Holtmann">Everhard Holtmann</a> hält dem Begriff gerade dies zugute, weil der Fokus etwa bei der Untersuchung von <a href="Rechtspopulismus" title="Rechtspopulismus">rechts-</a> und <a href="Linkspopulismus" title="Linkspopulismus">linkspopulistischen</a> Parteien nicht einseitig auf die rechte Hälfte des Parteienspektrums verengt werde.<sup id="cite_ref-hartleb_4-0" class="reference"><a href="#cite_note-hartleb-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sonstiges">Sonstiges</h2></div>
<p>Das <a href="Mehrheitswahlrecht" class="mw-redirect" title="Mehrheitswahlrecht">Mehrheitswahlrecht</a> erschwert das Aufkommen von Protestparteien. Einen Sitz im Parlament erringen sie nur, wenn sie in einem Wahlkreis eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen erzielen.
Siehe zum Beispiel <a href="UK_Independence_Party" title="UK Independence Party">UK Independence Party</a> (UKIP), Großbritannien.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das Medienecho kann den Erfolg oder Misserfolg massiv beeinflussen.
In Deutschland erhielt die <a href="Piratenpartei" title="Piratenpartei">Piratenpartei</a> in den Jahren 2011 und 2012 großes mediales Interesse;<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
nachdem dieses abgeflaut war, sanken deren Werte bei einschlägigen Umfragen stark ab.
</p><p>Die Politik in Griechenland wurde viele Jahre von zwei Volksparteien geprägt: der <a href="Nea_Dimokratia" title="Nea Dimokratia">Nea Dimokratia</a> (ND) und der sozialdemokratischen <a href="Panellinio_Sosialistiko_Kinima" title="Panellinio Sosialistiko Kinima">PASOK</a>. Bei der <a href="Parlamentswahl_in_Griechenland_Mai_2012" title="Parlamentswahl in Griechenland Mai 2012">Parlamentswahl im Mai 2012</a> trat eine Partei namens <a href="SYRIZA_%E2%80%93_Enotiko_Kinoniko_Metopo" class="mw-redirect" title="SYRIZA – Enotiko Kinoniko Metopo">SYRIZA</a> an und wurde zweitstärkste Partei. SYRIZA kann als Protestpartei angesehen werden. Auch bei einer erneuten <a href="Parlamentswahl_in_Griechenland_Juni_2012" title="Parlamentswahl in Griechenland Juni 2012">Wahl sechs Wochen später</a> wurde sie (mit 26,9&nbsp;%) zweitstärkste Partei; weit vor der PASOK (12,3&nbsp;%).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Protestw%C3%A4hler" title="Protestwähler">Protestwähler</a></li>
<li><a href="Politikverdrossenheit" title="Politikverdrossenheit">Politikverdrossenheit</a></li>
<li><a href="Parteienverdrossenheit" title="Parteienverdrossenheit">Parteienverdrossenheit</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Literatur">Literatur</h3></div>
<ul><li><span id="Arzheimer_2002"></span> Kai Arzheimer: <i>Politikverdrossenheit. Bedeutung, Verwendung und empirische Relevanz eines politikwissenschaftlichen Begriffs.</i> Westdeutscher Verlag, Opladen 2002. ISBN 3-531-13797-2.</li>
<li><span id="Hartleb_2004"></span>Florian Hartleb: <i>Rechts- und Linkspopulismus: Eine Fallstudie anhand von Schill-Partei und PDS.</i> VS, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004. 361 S., ISBN 3-531-14281-X.</li>
<li><span id="Holtman_et_al._2006"></span> Everhard Holtmann, Adrienne Krappidel, Sebastian Rehse: <i>Die Droge Populismus: Zur Kritik des politischen Vorurteils.</i> VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15038-3.</li>
<li><span id="Neuner-Duttenhofer_2004"></span> Christian Neuner-Duttenhofer: <i>Bündnis 90/Die Grünen im Bundestagswahlkampf 2002.</i> LIT Verlag Münster, 2004. ISBN 3825875202.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h3></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-holtmann-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-holtmann_1-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="#Holtman_et_al._2006">Holtman et al. 2006</a>, S. 20–21.</span>
</li>
<li id="cite_note-neuner-duttenhofer-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-neuner-duttenhofer_2-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="#Neuner-Duttenhofer_2004">Neuner-Duttenhofer 2004</a>, S. 7.</span>
</li>
<li id="cite_note-arzheimer-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-arzheimer_3-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="#Arzheimer_2002">Arzheimer 2002</a>, S. 86.</span>
</li>
<li id="cite_note-hartleb-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-hartleb_4-0">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="#Hartleb_2004">Hartleb 2004</a>, S. 25.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">zeit.de Mai 2013: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.zeit.de/politik/ausland/2013-05/ukip-nigel-farage/komplettansicht">Erfolg der Euro-Skeptiker bringt Cameron in Bedrängnis</a></span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">zeit.de 26. November 2012: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-11/Piraten-Parteitag-Medien/komplettansicht">Der Piraten-Exzess der Medien. - 250 Journalisten für 2.000 Piraten: Der Bundesparteitag war auch eine Ressourcenschlacht der Presse. Warum stürzen sie sich so auf die Jung-Partei und wer profitiert davon?</a></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-24" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Protestpartei&amp;oldid=262694954">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
</div>
</div><!--/htdig_noindex--></div>
</div>
</main>
</div>
</div>
</div>
<script src="./_webp_/webpHandler.js"></script>

</body></html>